Logbuch 2020

Anfang Februar 2020 Whangarei
Nach dem Te Puna Inlet waren wir erstmal in Paihia um ordentlich einzukaufen, denn für die nächsten Wochen haben wir geplant uns in die Einsamkeit zu verholen. Erster Stopp war dann bei den Cavilli Islands, wo wir diesmal das Wrack der Rainbow Warrior finden und dort auch tauchen. Für mich war es das erste Mal, dass ich seit unserer Ankunft in Neuseeland in das kühle Nass gesprungen bin. Mit Neopren war es auszuhalten.
Anschließend waren wir in Whangaroa Harbour und haben kurz vor der Einfahrt unseren ersten Kingfish gefangen. Lecker. Vor zwei Jahren waren wir ja schon mal dort, aber dieses Jahr ist das Wetter wesentlich besser. Es ist trocken und so ist der Weg hoch zu Duke´s Nose leichter als bei den schlammigen Bedingungen, die wir letztes Mal vorgefunden hätten. Von dort oben hat man eine grandiose Aussicht, die für alle Mühen entlohnt. Am Nachmittag reicht die Kraft nur noch für einen Dinghiausflug in einen Bach, wo am Ende ein schöner Frischwasserpool ist. Aber uns ist das zu frisch und wir begnügen uns mit den schönen Aussichten unterwegs. Da wir schon mal unter die Bergziegen gegangen sind, erklimmen wir am nächsten Tag Paul´s Rock. Der ist nicht ganz so anstrengend zu erklimmen, bietet aber auch schöne Ausblicke.
Dann zieht es uns weiter nach Norden und unterwegs sehen wir mehrmals Blue Penguins. Leider ist mir kein guten Bild davon gelungen, aber dafür habe ich später den Kekeno Seal gut erwischt und habe viele Fotos und Videos gemacht. Das war kein Kunststück, denn er dümpelte ganz entspannt neben uns am Boot. Erst dachten wir, er hätte ein Problem, aber dann sehen wir, dass er gut schwimmen und tauchen kann. Freunde, die in Alaska segeln waren und dort viele Seelöwen gesehen haben, erzählen uns, das die Tiere gerne mal an der Oberfläche einfach so rum dümpeln.
Nach einem Zwischenstopp in der Taemaro Bay, wo wir auch wieder einen Berg hoch laufen um eine schöne Aussicht zu haben, ankern wir bei der Karikari Halbinsel in der Maitai Bay. Es ist Wochenende und es ist Mords was los. Der Strand ist groß, die Bucht ist weitläufig und sogar mit dem Auto befahrbar. Wir machen einen Spaziergang zum gegenüberliegenden Karikari Beach, der menschenverlassen ist.
Danach fahren wir in den Houhora Harbour, wo vor zwei Jahren unser nördlichster Ankerplatz in Neuseeland war. Aber diesmal wollen wir weiter nach Norden und nachdem wir eingekauft haben und mal wieder im Restaurant Essen waren, sind wir um die Ecke und ankerten bei Grenville Point an der Ostküste. Oft kann man dort nicht gut liegen, aber wir haben günstige Wetterbedingungen erwischt. Aber auch das ist nur ein Zwischenstopp, denn unser Ziel ist Parengarenga Harbour. Wenn man im Internet nach Informationen dafür sucht, kann einem schlecht werden. Es wird nur von Schiffswracks berichtet und es wird davor gewarnt, dort einzulaufen. Das Problem ist, das es eine Sandbarre vor der Einfahrt gibt, die bei viel Wind und Schwell sehr gefährlich ist. Aber zum einen kennen wir diese Bedingungen vom Segeln in der Nordsee und zum zweiten haben wir uns günstige Bedingungen ausgesucht. So können wir ohne Probleme in den Parengarenga Harbour einlaufen und wir sind mehr und mehr begeistert. Schon von weitem sieht man die weißen Dünen und mit "weiß" meinen wir wirklich schneeweiß. Als wir an Land sind, merken wir, dass der Sand puderzuckerfein ist.
Und einsam ist es hier, so wir wir es gerne mögen. Wir beobachten viele Vögel und sehen auch schwarze Schwäne mit roten Schnäbeln. Als sie auffliegen, sehen wir, dass sie an den Flügelspitzen weiße Federn haben. Leider sind sie sehr scheu und wir kommen nicht nah genug ran um gute Fotos zu machen, aber mit dem Fernglas können wir sie beobachten.
Mittlerweile ist es auch nach unseren Vorstellungen hier Sommer. Na ja, jedenfalls einigermaßen. Statt morgens 15° ist es nun 22°, aber die Wassertemperatur ist hier hoch im Norden auch für mich so erträglich, dass ich mich ohne Neopren ins Wasser wage. Wir packen auch das Kayak aus und erkunden die Nebenarme dieses weitläufigen natürlichen Hafens. Und die weißen Dünen erklimmen wir auch. Der Sand ist teilweise sogar sehr fest und das Laufen auf den Gipfel ist nicht so sehr anstrengend. Wir schauen uns auch den Ort Te Hapua an, der mit der am nördlichsten gelegenen Schule in Neuseeland punkten kann. Aber ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Früher hat man hier von Gumdiggen gelebt (das Ausgraben des Kauri-Harzes) und heute gibt es hier einige Austernfarmen und Rinder werden auch gehalten.
Da wir diese herrliche Landschaft mit unseren Freunden teilen wollen, laden wir Lisa und Thomas fürs Wochenende ein und wir haben eine schöne Zeit miteinander.
Anschließend wird es leider Zeit, dieses Paradies wieder zu verlassen, obwohl wir gerne länger bleiben würden. Aber der Schwell wird in der nächsten Zeit zunehmen und dann wird es kritischer die Barre am Eingang von Parengarenga Harbour zu passiern. Am Rand finden sich noch die Reste von dem Wrack der Endeavour II, die hier 1971 gestrandet ist. Die Masten hat man übrigens geborgen und die stehen jetzt auf einem Schiff bei Paihia.
Nachdem wir also wohlbehalten den Parengarenga Harbour wieder verlassen haben, segeln wir wieder Richtung Süden entlang der Ostküste von Northland. Eigentlich hatten wir ja vor entgegen dem Uhrzeigersinn um die Nordspitze rum zusegeln, dann an der Westküste nach Süden segeln um die Marlborough Sounds zu besuchen. Aber diesen Plan haben wir nun verworfen. Erstens hat das Wetter bisher nicht gepasst und zweitens läuft uns auch die Zeit davon, denn wir wollen Ende März das Boot an Land stellen, weil wieder einige Arbeiten zu erledigen sind.
Also entscheiden wir uns für einen stressfreien Törn und wollen weiter die Ostküste von Neuseeland erkunden. Dort haben wir ja auch noch nicht alles gesehen.
Auf dem Weg nach Süden haben wir wenig Wind, aber es reicht uns um Segeln zu können. Da wir ja nun nicht zu den Marlborough Sounds segeln, können wir uns nochmal das Spektakel am Waitangi Day am 6. Februar anschauen. Wir ankern mitten im Geschehen nicht weit von Waitangi Treaty Grounds und können die Parade der Kriegswaka aus nächster Nähe beobachten. An Land gibt es verschiedene kulturelle Veranstaltungen. Der Haka-Tanz darf natürlich nicht fehlen und es gibt viele gute Gruppen, die uns mit Live-Musik unterhalten. Besonders gut gefallen hat uns ein japanisches Drummer-Duo, die neben dem konventionellen Schlagzeug eine riesige Trommel dabei hatten. Diese Taiko zu bedienen war Hochleistungssport! Wir haben es sehr genossen und die Drummer haben wirklich alles gegeben.
Nach dem Waitangi Day sind wir dann weiter nach Süden. Erstmal nur ein kurzer Stopp in der Oke Bay, was noch im Bereich der Bay of Islands liegt. Am nächsten Tag dann in einem Rutsch bis zur Calliope Bay, die ein Teil der Urquharts Bay ist. Hier haben wir wieder die leckeren Jakobsmuscheln eingesammelt bevor wir dann weiter nach Whangarei sind. Unser Ankerplatz ist wie oft vor Norsand und da wir wieder das ein oder andere bestellt haben, können wir uns das dort abholen. Natürlich treffen wir auch wieder einige Freunde und gelegentlich macht uns ein Besuch im Städtchen Whangarei auch Spaß.
Aber sehr lange wird es uns sicher nicht in Whangarei halten und dann geht es bald wieder weiter. Wohin, das werdet Ihr im nächsten Beitrag lesen.

Mitte Januar 2020 Bay of Islands
Wir wünschen Euch allen ein Frohes Neues Jahr. Wir sind gut rein gerutscht und haben mit lieben Freunden gefeiert und um zwölf Uhr das Feuerwerk in Paihia angeschaut. Natürlich gab es was leckeres zu Essen und auch das ein oder andere Gläschen dazu.
Anfang der Woche sind wir dann zu den Black Rocks gesegelt, weil wir dem Trubel etwas entfliehen wollten. Hier war nicht soviel Betrieb, wie wir das nach Weihnachten auf Urupukapuka gesehen haben. Moturoa Island ist ein Wildlife Sanctuary und nachts konnten wir die Schreie der Kiwis hören. Ich meine die flugunfähigen Vögel,nicht das Obst oder die Neuseeland Bewohner;-)
Die ersten Tage war es tagsüber nicht immer sommerlich warm. Wir hatten gelegentlich Temperaturen unter 20 Grad. Viel zu kalt für uns! Vielleicht ist die Sonne auch nicht richtig durchgekommen, denn wir hatten einmal den Himmel richtig orangefarben. Wir haben gelesen, dass mit dem orangefarbenen Himmel die Temperatur auch runter gegangen ist. Später haben wir dann erfahren, dass eine riesige Qualmwolke von den australischen Buschfeuern nach Neuseeland geblasen wurde. In Auckland haben viele Leute das als so dramatisch empfunden, dass sie den Notruf gewählt haben. In den neuseeländischen Medien wurde dann von "apocalyptic smoke" berichtet. Hier ein Link, wer sich dafür genauer interessiert.
https://www.newshub.co.nz/home/new-zealand/2020/01/auckland-goes-yellow-smoke-from-the-australia-bushfires-covers-auckland.html
Dann haben wir vor Russel geankert, denn am 11.1.2020 fand dort das Tall Ship Race statt. Wie wir ja vom letzten Mal wissen, versteht man hier unter "Tall Ship" Boote über 30 Fuß. Nun, wie auch immer, außer der Regatta gab es eine Mordsparty, Erdofenessen und auch zwei tolle Bands. Bei einer Band waren alle Bandmitglieder über 80 Jahre alt und der älteste sogar 95 Jahre alt. Aber tolle Musik haben sie gemacht. Wir haben mal wieder sehr viele Bekannte getroffen und so waren die nächsten Tage mit sogenanntem "Social Life" ausgefüllt. Wir hatten liebe Gäste während der Regatta, aber danach sind wir ins Te Puna Inlet gesegelt, wo wir auch Bekannte getroffen haben. Im Te Puna Inlet waren wir schon mehrmals und kennen die Stellen, wo wir Austern pflücken und nach Pipis graben können. Pipis sind die leckeren Muscheln, die an die Venusmuscheln erinnern und die wir schon im Dezember 2017 hier in Neuseeland kennen gelernt haben.
Da Benno immer noch kein Freund von rohen Austern ist, wurden wir von einer neuseeländischen Seglerin zu Oyster-Fritters eingeladen. Eine Art Pfannkuchenteig, in den noch Austern reinkommen und der dann ausgebacken wird. Sehr lecker und jetzt habe ich ein weiteres Rezept um Austern zu genießen. Da wir so viele Austern hatten, habe ich noch einen Auflauf mit Austern und Pipis gemacht, der auch bei unseren Gästen gut angekommen ist.
Aber nach ein paar Tagen mit schönem Beisammensein zerstreut sich die Seglergemeinschaft wieder. Jeder hat andere Ziele und auch wir wollen ja irgendwann aufbrechen um Neuseeland weiter zu erkunden. Mal sehen, wohin es uns in den nächsten Wochen verschlägt.